Feed-Reader: So werden Sie zum CvD Ihrer Medienwelt

Die Chefin oder der Chef von Dienst (CvD) entscheidet in Redaktionen über Auswahl und Aufbereitung von Nachrichten. Mit einem so genannten Feed-Reader können Sie diese Funktion selbst übernehmen. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihren eigenen News-Room aufbauen.

Schritte zur Einrichtung eines Feedreaders

  • Feed-Reader gibt es mittlerweile in drei unterschiedlichen Formen:

    • Cloud-basiert, also als Software die bei einem externen Anbieter im Rechenzentrum läuft.
    • Als eigenständige Software oder Browsererweiterung, die auf dem eigenen Computer installiert ist.
    • Oder für Expertinnen und Experten: Als selbstgehostete Web-App auf dem eigenen Webspace.

    Cloudbasierte Feed-Reader bieten einige Vorteile: Von jedem Internet-Gerät lässt sich über den Webbrowser auf die Infozentrale zugreifen. Ergänzende Apps sind mit dem Benutzerkonto synchronisiert. Sie ermöglichen es, auf Mobilgeräten übergangslos weiterzulesen. Allerdings speichern Sie bei cloudbasierten Diensten Ihre Quellen und Inhalte auf fremden Servern. Das macht Sie abhängig von einem Anbieter. Achten Sie daher auf die Möglichkeit, ihre Quellensammlung zu exportieren.

    Als eigenständige Software läuft Ihr Feed-Reader ausschließlich auf dem eigenen Computer. Eine gute Übersicht über RSS-Reader für Windows, Linux und Mac findet sich unter rss-readers.org. Etwas einfacher in der Einrichtung sind die Feed-Reader Browser-Erweiterungen, die es für Chrome und Firefox gibt. Sie weisen jedoch weniger Funktionen auf.

    Expertinnen und Experten, die über eigenen Webspace mit Datenbanken und Datei-Zugriffsrechte verfügen, können auch einen „Cloud“-Reader auf dem eigenen Webspace hosten. Eine Liste von selbstgehosteten Feed-Readern (engl.) findet sich hier. Am einfachsten in der Einrichtung sind selfoss und tinytinyrss. Die selbstgehosteten RSS-Reader bieten ähnliche Vorteile wie Cloud-Dienste (Zugriff von allen Geräten, teilweise auch via App), aber leider nicht alle Funktionen oder einen vergleichbaren Bedienkomfort.

    Empfehlung

    • Den größten Nutzwert und Bedienkomfort bieten mittlerweile die Cloud-Reader, insbesondere Feedly, InoReader und Newsblur, die alle ähnliche Funktionen sowie Smartphone-Apps für IOS/Android anbieten und in ihren Grundfunktionen kostenlos sind.
    • Überlegen Sie dennoch, welche und wie viele persönliche Daten Sie einem externen Anbieter überlassen wollen.
    • Bei den automatisch erstellten Zusammenfassungen sollten Sie überprüfen, welche Ergebnisse diese liefern, da die Algorithmen nicht immer transparent erläutert werden.
  • Der einfachste Einstieg in die Quellenrecherche ist der dailydigest von piqd. Dort müssen Sie sich nicht registrieren, um auf der Startseite empfohlene Beiträge zu durchsuchen und die Quellen zu Ihrem Feed-Reader hinzuzufügen.

    Als nächster Schritt bieten sich die Aggregatoren und Linksammlungen ausgewählter Blogs an. Wer sich für Netzpolitik und Netzgeschehen interessiert, fügt etwa rivva zu seinen Feeds hinzu. Wer sich über aktuelle Debatten schnell und mit weiterführenden Links informieren möchte, findet in der Debattenschau des Perlentauchers regelmäßig gute Zusammenfassungen. Lesenswertes rund um Medien und Presse wird werktäglich beim Bildblog 6-vor-9 zusammengetragen.

  • Ein Beispiel ist das RSS-Angebot der Bundeszentrale für Politische Bildung. Lesenswert sind hier die Feeds Aus Politik und Zeitgeschichte (verschiedene Themen, sehr hintergründig), Hintergrund aktuell (Kurzdossiers zu aktuellen Themen), werkstatt.bpb.de (E-Learning) und neue Onlineangebote der bpb (als Übersicht).

    Auch parteinahen Stiftungen bieten oft sehr gute Hintergrund-Beiträge, Dossiers und Studien. Sie sind meist objektiver sind als das Attribut „parteinah“ vermuten lässt. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Hans-Seidel-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung bieten allgemeine RSS-Feeds, die Heinrich-Böll-Stiftung gliedert ihre Inhalte in themenspezifische Feeds. Die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützen keine RSS-Feeds, hier muss die Webseite manuell aufgerufen oder ein Website-Monitor eingerichtet werden.

    Universitäten lassen oft nur in Form klassisch-wissenschaftlicher Veröffentlichungen von sich hören, das Göttinger Institut für Demokratieforschung betreibt allerdings auch einen kleinen Blog, der sich mit aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Themen sehr hintergründig auseinander setzt.

    Je nach Interessensgebiet finden sich zudem stark spezialisierte Quellen, die einen zweiten Blick wert sein können: