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Medienkompetenz - Alles so schön bunt hier?!

Die Bandbreite der Qualität von Beiträgen im Internet ist groß: Hier finden sich Fake-News ebenso, wie gut recherchierte Hintergrundbeiträge mit unzähligen Quellenangaben. Folgende Hinweise und Stichworte können Ihnen helfen, die Qualität und Glaubwürdigkeit einer Quelle einzuschätzen.

Hinweise zur Glaubwürdigkeit von Quellen

Filterblasen

Seit das Phänomen der Filterblasen erstmals vom Internetaktivisten Eli Parisier beschrieben wurde (Beitrag auf cnn.com), hört man den Begriff immer wieder. Der Umfang, in dem Filterblasen tatsächlich unsere Wahrnehmung einschränken, ist heute umstritten (Beitrag auf vice.com). Unbestreitbar ist aber, dass uns in vielen Fällen Algorithmen eine Auswahl der vorhandenen Informationen präsentieren.

Wer sich etwa in sozialen Medien bewegt oder bei Google nach bestimmten Inhalten sucht, erhält oftmals eine indivduell gefilterte Auswahl der Ergebnisse: Eine Finanzanalystin findet zur Suche nach „Shell“ eher den aktuellen Aktienkurs, eine Autofahrerin bekommt eher die nächste Tankstelle angezeigt. Eine Filterblase entsteht also, weil Algorithmen vorherzusagen versuchen, welche Informationen für einen Benutzer oder eine Benutzerin besonders relevant sein könnten. Diese Inhalte werden dann für bestimmte Personen bevorzugt ausgespielt.

Das allerdings unterstützt die natürliche Veranlagung des Menschen, sich nicht mit Inhalten auseinanderzusetzen, die der eigenen Meinung widersprechen. Dies wiederum kann zu einer gesellschaftlichen Polarisierung beitragen. Die persönlichen Filterblasen können übrigens je nach Kanal und Medium sehr unterschiedlich ausfallen. Es ist ratsam, zumindest hin und wieder aus den eigenen Filterblasen auszubrechen, indem Sie bewusst andere Informationsquellen aufsuchen als die üblicherweise benutzten.

Das Online-Tool filterbubble.lu des luxemburgischen "Zentrum fir politesch Bildung" fragt danach, wie tief Sie in Ihren Filterblasen stecken - und bietet Anregungen dazu, diese zum Platzen zu bringen.

Bias

Ein Bias ist eine spezifische Verzerrung der Realität, die jeder Mensch in seiner Wahrnehmung hat. Er beeinflusst unbewusst das eigene Weltbild. Das äußert sich im Handeln von Menschen und in den Produkten ihres Handelns; wie beispielsweise Zeitungsartikeln.

Auch Algorithmen, die anhand scheinbar objektiver Kriterien eine Entscheidung treffen, unterliegen einem Bias ( Beitrag auf initiatived21.de). Denn natürlich sind auch ihre Entwicklerinnen und Entwickler in der Programmierung und bei der Auswahl der Daten von ihren Grundannahmen über die Welt beeinflusst. So sagte zum Beispiel ein Algorithmus der US-Justiz für schwarze Häftlinge eine höhere Rückfallquote voraus als für weiße Häftlinge ( Beitrag auf propublica.org ). Bei der Rückfallquote der Weißen irrte er sich eher nach unten, bei jener von Schwarzen Menschen eher nach oben. Auch Websites von Frauen können auf Google schlechter dargestellt werden: Wenn jemand beispielsweise bei Google nach einem „Texter“ sucht, wird die Website von Frauen, die sich als „Texterin“ bewerben, als weniger relevant eingestuft ( Beitrag auf t3n.de).

Das bedeutet keinesfalls, dass alle Empfehlungen von Mensch oder Technik falsch sind. Sie sollten aber immer berücksichtigen, dass Empfehlungen von der Perspektive ihrer Erstellerinnen und Ersteller beeinflusst sind.

Gesellschaftliche Problematisierung des Themas

Je heikler und emotionaler das Thema in der gesellschaftlichen Debatte behandelt wird, desto vorsichtiger sollten Sie an einen Beitrag herangehen. Eine Auseinandersetzung über die verfassungsrechtliche Perspektive zu EU-Bürgerbeteiligungen (z.B. dieser Beitrag auf verfassungsblog.de) dürfte unter geringerem Verdacht der bewussten Faktenmanipulation stehen als ein Beitrag über kriminelle Flüchtlinge.

Bei Themen die gesellschaftlich kontrovers und emotional aufgeladen sind, lohnt sich ein zweiter Blick auf nachfolgende Kriterien:

  • Aufgeregtheit: Ist der Artikel sprachlich emotional, aufgeladen und verkürzt? Ist der Tenor zynisch oder verhöhnend? Bei einer solchen Grundausrichtung sollte man angeführte vermeintliche Fakten mit einem gewissen Vorbehalt betrachten. Wer sich beim Schreiben ereifert, berichtet selten objektiv, ausgewogen und faktentreu.
  • Quellen, Links und Exklusivität: Seriöse Autorinnen und Autoren haben ein Eigeninteresse, kontroverse Behauptungen zu belegen. Fehlt bei einer Aussage über Flüchtlingskriminalität eine Quellenangabe komplett, ist nicht verlinkt oder führt zu einer ominösen Webseite, sollte man der Aussage vorläufig keinen Glauben schenken. Bei Interesse hilft eine kurze Web-Suche. Ist die genannte Webseite die einzige, die sich zu der vermeintlichen Tatsache äußert? In diesem Fall ist es recht wahrscheinlich, dass hier Fakten erfunden oder verdreht wurden.

Stille Post

Dieses Problem tritt insbesondere bei klassischen Newsportalen in der Berichterstattung über Studienergebnisse auf: Komplexe Aussagen werden oft ohne ein tieferes Verständnis des Gegenstandes immer weiter reduziert – bis die getätigte Aussage schlichtweg falsch ist.

Da Nachrichtenangebote sich oft wechselseitig zitieren, verbreitet sich die vermeintlich objektive („durch Studien bestätigte“) Falschaussage quer durch alle Medien. Medien-Blogs wie Bildblog und Übermedien dokumentieren zahlreiche solcher Fälle. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht die Studie im Internet und liest die Zusammenfassung der Forschenden.

Exkurs: Wie Komplexitätsreduktion Inhalte verfälschen kann

Zwei fiktive Beiträge zum kontroversen Thema „Flüchtlingskriminalität“:

Beispiel 1:

Überschrift: „Flüchtlinge nicht krimineller als Deutsche“

Solche Überschriften kommen häufig zustande, wenn Studien soziale Milieus miteinander vergleichen – und nicht berücksichtigen, dass sich Geflüchtete und Deutsche unterschiedlich oft in prekären Lebenssituationen befinden. Absolut wird hier jedoch keine Aussage getroffen. Die Reduktion müsste also eher lauten: Flüchtlinge und Deutsche in gleichen Lebenssituation gleich kriminell

Beispiel 2:

Überschrift: „Flüchtlinge krimineller als Deutsche“

Solche Überschriften entstehen leicht, wenn Studien lediglich absolute Zahlen vergleichen. Aufenthaltsdelikte beispielsweise, eine Straftat, die ein Deutscher gar nicht begehen kann, wurden nicht heraus gerechnet – und stellen möglicherweise den größten Posten in der Kriminalstatistik. Die reduzierte Aussage ist formal richtig – und beschreibt die Situation dennoch nicht vollständig.

Mehr Tipps dazu, wie Sie Meldungen überprüfen können, erhalten Sie auch auf unserer Infoseite zum Thema Fake News erkennen.