Starke Frauen aus NRW

Die Geschichte Nordrhein-Westfalens ist vor allem die Geschichte der Menschen, die hier leben. Auf dieser Seite wollen wir einen Blick auf einige starke Frauen werfen, die in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus Geschichte geschrieben haben.

Fast jede:r kennt die erste weibliche Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens, Hannelore Kraft, oder die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die in Wuppertal geboren wurde. Deswegen wollen wir einen Blick auf einige vielleicht weniger bekannte Frauen werfen, die ebensolche Vorbilder für gesellschaftliches Engagement und den Einsatz für die Gleichberechtigung sind.

Und die Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Die hier Benannten sind lediglich einige Beispiele für Frauen, die in und für Nordrhein-Westfalen in Politik und Gesellschaft aktiv geworden sind. 

Erste Oberbürgermeisterin: Luise Albertz

Die SPD-Politikerin Luise Albertz (1901-1979) wurde 1946 zunächst für zwei Jahre zur Oberbürgermeisterin von Oberhausen – und damit zur ersten weiblichen Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt. Überparteiliche Anerkennung brachte Albertz auch ihr Engagement als Vorsitzende des Petitionsausschusses des Bundestages, dem sie später angehörte, ein. Oberhausen blieb sie aber treu und war dort erneut von 1956 bis zu ihrem Tode 1979 Oberbürgermeisterin. Mehr zu ihrer Geschichte lesen Sie auf der Website des LVR. Übrigens: heute stehen an den Spitzen der deutschen Rathäuser immer noch nur rund zehn Prozent Frauen (zur EAF Studie von 2020).

Engagiert gegen Rassismus: Mevlüde Genç

Fünf Menschen starben, 17 weitere wurden beim rechtsextremistischen Brandanschlag in Solingen 1993 verletzt. Mevlüde Genç (geb. 1943), die selbst verletzt wurde und zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor, engagiert sich seither gegen Rassismus und für eine offene Gesellschaft. Für ihr Engagement erhielt sie u.a. das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 2018 verleiht das Land Nordrhein-Westfalen außerdem die Mevlüde-Genç-Medaille für besondere Verdienste um Toleranz, Versöhnung zwischen den Kulturen und um das friedliche Miteinander der Religionen.

Für Toleranz und Dialog: Dunja Hayali

Die gebürtige Dattelerin Dunja Hayali (geb. 1974) ist nicht nur ein bekanntes Fernsehgesicht – sie moderierte u.a. die ZDF heute-Nachrichten und war als Co-Moderatorin im heute-journals tätig. Die Moderatorin und Journalistin engagiert sich auch sozial. So ist sie u.a. Unterstützerin des Vereins „Gesicht Zeigen!“, der der sich gegen Rechtsextremismus einsetzt, sowie der „Initiative Respekt! Kein Platz für Rassismus“. Auch für Generation Equality, die Gleichstellungskampagne der UN, ist sie aktiv. Für ihr vielfältiges Engagement für Toleranz und Offenheit hat Hayali den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen sowie das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Mehr über Hayalis Werdegang lesen Sie z.B. auf dem ZDF-Presseportal.

Mutig gegen Unrecht: Marie Kahle

Weil sie jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nach der Reichspogromnacht beim Aufräumen ihrer zerstörten Geschäfte half, wurde Marie Kahle (1893-1948) wegen „volksverräterischer Taten“ angezeigt und die gesamte Familie von Presse und Gestapo unter Druck gesetzt: Marie Kahles Sohn, der ebenfalls half, verlor seinen Studienplatz und ihr Mann seine Professur. Kurz bevor Kahle 1939 die Deportation ins Konzentrationslager drohte, gelang der Familie die Flucht nach Großbritannien. Ihre Erlebnisse beschrieb Kahle später in dem Buch: „What would you have done?“. Mehr über ihre Geschichte lesen Sie auch auf der Website des LVR.

Pionierin der Lüfte: Rita Maiburg

Selbst heute gibt es nur wenige Flugzeugpilotinnen – in den 1970ern aber gab es fast gar keine. Die Bonnerin Rita Maiburg (1952-1977) schrieb daher mit der Erfüllung ihres Berufswunsches Geschichte: Nachdem die Lufthansa ihre Bewerbung als Linienflugpilotin abgelehnt hatte, versuchte Maiburg gerichtlich dagegen vorzugehen. Die Prozesse gegen die Lufthansa und die Bundesrepublik Deutschland als damaligen Mehrheitseigner verlor sie. Aber zu ihrem Ziel gelangte sie trotzdem: Die Deutsche Luftverkehrsgesellschaft (DLT) stellt sie als weltweit zweite weibliche Flugkapitänin im regulären Liniendienst ein. Über ihr Leben gibt es auch einen Roman (zum Artikel auf der Website der Süddeutschen).

Die Mütter des Grundgesetzes: Frieda Nadig, Dr. Helene Weber und Helene Wessel

Eine demokratische Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland schreiben – das war die Aufgabe des Parlamentarischen Rats, der 1949 das Grundgesetz verkündete. Neben 61 Männern gehörten damals nur vier Frauen dem Gremium an. Drei von ihnen kamen aus NRW: Frieda Nadig (1897-1970, SPD), Dr. Helene Weber (1881-1962, CDU) und Helene Wessel (1898-1969, Zentrum, später SPD). Die drei Frauen waren bereits in der Weimarer Republik politisch engagiert und gewählte Vertreterinnen in regionalen Parlamenten. Auch dank dieser drei Frauen steht in Artikel 3, Abs. 2 des Grundgesetzes: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.
Mehr erfahren Sie in einer Broschüre der Landeszentrale Baden-Württemberg.

Politikerin der ersten Stunde: Christine Teusch

Die Kölnerin Christine Teusch (1888-1968) war bereits früh politisch engagiert, zunächst im Zentrum und später in der CDU: 1919 wurde sie mit 31 Jahren als jüngstes Mitglied – und als nur eine von wenigen Frauen – in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Während der Jahre der NS-Herrschaft stand sie dem „Kölner Kreis“, einer katholischen Widerstandsgruppe, nahe. Nach Kriegsende wurde Teusch 1947 zur Kultusministerin Nordrhein-Westfalens und damit (nach Martha Fuchs) zur zweiten Ministerin im westlichen Nachkriegsdeutschland überhaupt - auch gegen Widerstände aus ihrer Partei und den Kirchen. Als Leiterin der Kultusministerkonferenz gründete Teusch später unter anderem die „Studienstiftung des Deutschen Volkes” und den „Deutschen Akademischen Austauschdienst“ mit. Für ihre Arbeit wurde sie 1956 als erste Frau mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Mehr zu Ihrer Geschichte lesen Sie auf der Website des LVR.