Die Sommerjacke des Häftlings Max Schubert aus dem Außenkommando Wewelsburg

Diese gestreifte Häftlingsjacke aus blau-weiß gestreiftem Baumwolldrillich gehörte Max Schubert, der 1940 in das KZ Niederhagen/Wewelsburg deportiert wurde und bis zur Auflösung des Konzentrationslagers im Frühjahr 1943 meist in der Kleiderkammer arbeitete. Er blieb mit rund 40 Häftlingen in Wewelsburg. Dieses sogenannte Restkommando war als Außenkommando Wewelsburg dem KZ Buchenwald unterstellt. Die hohe Häftlingsnummer 13598 verweist auf diese Zugehörigkeit. Max Schubert trug als Angehöriger der Zeugen Jehovas (Ernste Bibelforscher) den lila Winkel.

Schubert wurde 1937 wegen illegaler Betätigung für die Internationale Bibelforscher Vereinigung verhaftet. Nach einem Jahr Haftzeit im Gefängnis in Bautzen wurde er 1938 ins KZ Buchenwald eingewiesen. Von dort kam er 1940 nach Wewelsburg. Nach seiner Befreiung am 2. April 1945 zog er wieder in seine Heimat und wurde Gruppendiener bei den Zeugen Jehovas. 1950 wurde er deswegen verhaftet und nach DDR-Recht zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung 1957 siedelte er in die Bundesrepublik über. Er starb September 1979.

Das Einkleiden nach ihrer Ankunft im Konzentrationslager war für die neuen Häftlinge schockierend und demütigend. In den „Zebra-gestreiften“ Uniformen sollten die Häftlinge wie Strafgefangene aussehen. Durch die schlecht sitzenden, häufig schadhaften Kleidungsstücke machte die SS sie optisch genau zu den „Untermenschen“, die sie bekämpfen wollte. Demgegenüber präsentierten sich die SS-Wachleute in ihren tadellosen, körperbetonten Uniformen als „Herrenmenschen“. Mit ihren Zivilkleidern gaben die Eingelieferten ihren persönlichen Namen ab und wurden zu einer Nummer in der Masse der Gefangenen.

1938 führte die Inspektion der Konzentrationslager die einheitliche, gestreifte Kleidung im nationalsozialistischen KZ-System ein. Während die Sommerkleidung aus Baumwolldrillich genäht war, bestand die Winterkleidung aus kratzender, schlecht trocknender Reißwolle (Gemisch aus wenig Wolle, Viskose und Baumwolle).

Die farbigen Stoffdreiecke, sogenannte Winkel, auf der Vorderseite der Häftlingsjacken kennzeichneten die Einteilung der Häftlinge in Kategorien. Politische Häftlinge erhielten ein rotes Dreieck, kriminelle Häftlinge ein grünes, als „asozial“ bezeichnete Häftlinge bekamen einen schwarzen Winkel, Bibelforscher einen lila Winkel. Mit dieser Einteilung in Kategorien entwickelte die SS ein System der sozialen und rassenideologischen Differenzierung der Lagerbelegschaft.

Die Häftlingsjacke hatte Wettin Müller, Mitglied des Restkommandos, zusammen mit weiteren Kleidungsstücken nach dem Krieg mit in seine Heimat genommen. Für ihn war die Kleidung vermutlich nicht nur ein persönliches Erinnerungsstück, sondern auch von symbolischer Bedeutung als Zeugnis seiner Leidenszeit.

Nach seinem Tod 1998 überreichte sein Sohn dem Kreismuseum Wewelsburg das einzigartige Konvolut. Denn nur selten können überlieferte Kleidungsstücke aus den Konzentrationslagern zweifelsfrei einzelnen Häftlingen zugeordnet werden. Nach behutsamer Restaurierung werden die Kleidungsstücke nun in der Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“, der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933–1945 gezeigt. Es wird dabei Wert darauf gelegt, die Kleidung nicht als unnahbare Reliquien der Opfer von SS-Gewalt auszustellen, da eine „sakralisierte“ Präsentation der Relikte den analytischen Blick verstellen würde. So blieben bei der Restaurierung Tragespuren und Risse extra erhalten. Die Kleidung wird mit Erinnerungsberichten von Überlebenden aus dem Lageralltag verknüpft, um so die materielle und hygienische Versorgung der Häftlinge zu erläutern.

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