Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Entstehung, Entwicklung

Wie der Name Mahn- und Gedenkstätte andeutet, gehört die Gedenkstätte zu den älteren kommunalen Einrichtungen ihrer Art in NRW und in der Bundesrepublik. Der auch nach der gründlichen Erarbeitung einer neuen Ausstellung beibehaltene Name macht deutlich, dass die Einrichtung selbst eine eigene Geschichte hat und erinnert damit an typische Auffassungen von Erinnerung zum Zeitpunkt ihrer Entstehung. Entsprechend thematisiert die neue Dauerausstellung auch die Geschichte der Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Zeit in Düsseldorf unter Einbezug der Gedenkstätte selbst.

Vor dem Hintergrund des Majdanek-Prozesses, der 1975 bis 1981 vor dem Landgericht Düsseldorf geführt wurde, entstand in der Stadtgesellschaft eine breite Debatte mit der Forderung nach einer städtischen Gedenkstätte. 1986 stimmten schließlich alle im Rat vertretenen Parteien für die Einrichtung einer zentralen Gedenkstätte.

1987 wurde die Gedenkstätte mit der ersten Dauerausstellung „Verfolgung und Widerstand in Düsseldorf 1933 – 1945“ eröffnet. Auch der Ausstellungstitel ist zeittypisch. Er steht dafür, wie in den 80er Jahren mit Referenz auf überlebende Regimegegner ein öffentliches Erinnern an die Naziverbrechen und die Würdigung der Opfer eingefordert wurde.

Profil

„Verfolgung und Widerstand“ waren oft mit Narrativen von Tätern und Opfern als „Schurken“ und „Helden“ verbunden. Je stärker NS-Täter als „Monster“ erschienen, umso leichter war es, sich zu distanzieren. Alltagssituationen und die Mechanismen, die dafür sorgten, dass sehr viele aktiv in die verbrecherischen Maßnahmen des Regimes verwickelt waren oder sie gar vorantrieben, wurden so selten thematisiert.

Zu den Leistungen dieses Ansatzes zählt, dass sich hieraus eine umfangreiche biographische Forschung entwickelte, die vor allem darum bemüht war, den Opfern wieder einen Namen, ein Gesicht und eine Stimme zu geben und ihre Verfolgung nachvollziehbar zu machen. Insbesondere das Schicksal der jüdischen Bürger Düsseldorfs und des Rheinlands wurden bis ins Einzelne erforscht, dokumentiert, und u.a. in sog. Gedenkbüchern in der Gedenkstätte zugänglich gemacht. Bis vor kurzem endete das Wissen über die Lebenswege der meisten deutschen Holocaustopfer mit der Deportation 1941/42 in den Osten. Vor etwa 10 Jahren gelang es der damaligen Leiterin der Düsseldorfer Gedenkstätte, Angela Genger, und Gedenkstättenmitarbeitern aus Köln und Düsseldorf durch die Verknüpfung verschiedener Datenquellen, die Lebenswege der zumeist in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportierten rheinischen Juden, auch über den Zeitpunkt ihrer Ankunft im Ghetto hinaus, weiter zu verfolgen und z.T. bis zu ihrer Ermordung offen zu legen. (Es kann gut sein, dass man in Düsseldorf weit mehr über seine verfolgten und ermordeten jüdischen Bürger weiß, als in jeder anderen deutschen Stadt.) Aktuell erforscht die Gedenkstätte, wie viele jüdische Bürger dem Novemberpogrom 1938 im Rheinland und Westfalen zum Opfer fielen.

Zugleich begann man mit der Erforschung sogenannter vergessener Opfer, das heißt von Gruppen, die nach dem Krieg diskriminiert blieben und oft von der staatlichen Wiedergutmachung ausgeschlossen blieben (Sinti und Roma, Homosexuelle, sog. Asoziale etc.).

Das aus den Forschungen entstandene umfangreiche Material ist zugleich die empirische Grundlage der neuen Ausstellung. Unter dem Titel "Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus" wurden in neuen, grundrenovierten und erweiterten Räumlichkeiten im Mai 2014 Lebenswege und Erfahrungen junger Menschen aus Düsseldorf vorgestellt.

Die Ausstellung versucht nicht zu belehren sondern Kommunikationsanlässe zu schaffen. Immer steht die Frage nach Handlungsmöglichkeiten und –spielräumen, die Kinder und Jugendliche im Alltag hatten, im Mittelpunkt.

Trotz wachsender Vielfalt der Arbeitsschwerpunkte und Programme gilt für Düsseldorf wie für die meisten Gedenkstätten, dass der Stellenwert der Erforschung der eigenen Grundlagen eher noch zugenommen hat. Das Wissen darüber, was am Ort geschehen ist, wer auf welche Weise beteiligt war, ermöglicht es, sich mit dem konkreten Handeln von Tätern, Zuschauern und Opfern auseinanderzusetzen und deren Entscheidungen, Handlungsspielräume und Motive zu reflektieren.
 
Die Mahn und Gedenkstätte Düsseldorf gehört zu den größten Einrichtungen ihrer Art in NRW. Die Gedenkstätte kann als etablierte und anerkannte städtische Kultureinrichtung angesehen werden. Als Indikatoren dafür können gelten,

  • dass die Stadt den Erhalt der Gedenkstätte im ehemaligen Stadthaus für mindestens 30 Jahre zur Voraussetzung des Verkaufs der Gebäude an den Hotelunternehmer gemacht hat und
  • dass die Kosten für Umbau und Erweiterung der Gedenkstätte sowie Konzeption und Umsetzung der Ausstellung weitestgehend ohne die Förderung Dritter von der Stadt selbst aufgebracht worden sind.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite des Förderkreises der Mahn und Gedenkstätte Düsseldorf e.V.: http://www.gedenk-dus.de