Der Stapeldrucker Pelikan Modell 3

Ein schwerer, unscheinbarer Holzkoffer, auf den ersten Blick unverdächtig – und doch entfaltet er sich im wahrsten Wortsinn zu einer zweckdienlichen "Waffe" im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Aufgeklappt wird seine Funktion erkennbar: Es ist ein Abzugsapparat für die heimlich auf Matrizen verfassten illegalen Schriften. Blatt für Blatt wird auf die Fläche gelegt, der Rahmen mit dem beschrifteten Wachsbogen heruntergeklappt und auf das Leinwandtuch zähflüssige schwarze Farbe gerollt. Flugblätter, Plakate, aufklärerische und propagandistische Texte des linken Widerstands, wie der "Rote Förderturm" der Duisburger KPD und andere entstehen so in mühevoller Handarbeit. Nachts, in der Hinterstube einer Bäckerei der Duisburger Innenstadt oder in anderen Ad hoc-‚Druckereien‘. Die Schriften werden sofort verteilt, in Briefkästen geworfen oder unter der Tür hindurchgesteckt. Sie finden den Weg auf die Zeche und unter Tage, auf das Fabrikgelände, - und werden vom Wind zerstreut.

Ein "Tatwerkzeug" des Widerstands, das über alle Jahrzehnte von überlebenden Widerstandskämpfern wie ein Augapfel gehütet wurde, wird zum wichtigen Exponat zunächst in der Ausstellung der VVN/Bund der Antifaschisten Duisburg, dann in der Sonderausstellung des Zentrums für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie (ZfE) "Das Rote Hamborn – Politischer Widerstand in Duisburg von 1933 bis 1945". Diese Ausstellung war die zweite des ZfE. Eine erste Präsentation widmete sich von 2015 bis 2016 dem jüdischen Leben in Duisburg von 1918 bis 1945 unter dem Titel "Noch viele Jahre lang habe ich nachts von Duisburg geträumt".

Mit seinen Ausstellungen, Vorträgen und Tagungen, Stadtrundgängen und Lesungen wendet sich das 2014 unter Leitung des Kultur- und Stadthistorischen Museums und des Stadtarchivs Duisburg gegründete ZfE an eine breite Öffentlichkeit. Es entspricht seiner Aufgabe, die NS-Geschichte der Stadt Duisburg forschend aufzuarbeiten und zu vermitteln. Für Studierende und insbesondere für Schülerinnen und Schüler bietet das ZfE Work-shops zu unterschiedlichen Themen an. Dabei setzt die Arbeit des ZfE stets bei konkreten Einzelbiographien an (von Opfern, aber auch von Tätern) und eröffnet über Anknüpfungspunkte z.B. in den Stadtteilen und Straßenzügen oder durch Gebäude anschauliche und auch emotionale Zugänge zur Stadtgeschichte. Das Zentrum unterhält mehrere Bildungspartnerschaften mit Duisburger Schulen und unterstützt die erinnerungskulturelle Arbeit der Schulen etwa bei der Verlegung von Stolpersteinen, bei Schulprojekten und Gedenkveranstaltungen.
Derzeit entwickelt das ZfE eine Dauerausstellung zur Geschichte Duisburgs im Nationalsozialismus. Im Gebäudekomplex des Kultur- und Stadthistorischen Museums und des Stadtarchivs Duisburg werden in den kommenden Jahren durch Umbaumaßnahmen die räumlichen Voraussetzungen für eine Ausstellungsfläche von ca. 400 qm geschaffen, die an die bestehende stadtgeschichtliche Ausstellung des Museums anbindet.

Seit 2017 entwickelt sich die Migrationsgeschichte zu einer neuen thematischen Säule des ZfE. Wie alle Gedenkstätten und Erinnerungsorte, insbesondere in Nordrhein-Westfalen und im Ruhrgebiet, sieht sich auch das ZfE mit der Aufgabe konfrontiert, die NS-Geschichte Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu vermitteln. Das ZfE bemüht sich darum, ein gemeinsames Bewusstsein für die Stadtgeschichte zu entwickeln und die migrationsgeschichtliche Perspektive konsequent in die stadtgeschichtliche Arbeit zu integrieren – auch in die Aufarbeitung der NS-Geschichte z.B. bei Themen wie der jüdischen Migration aus Osteuropa oder der Zwangsarbeit.

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