Arbeitsbereiche

Referate

  • Referat Grundsatzfragen der politischen Bildung

    Das Grundsatzreferat umfasst die Aufgabenbereiche "Grundsatzfragen der politischen Bildung, Präventionsarbeit gegen politischen und religiösen Extremismus, Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus".

    Es werden insofern übergreifende und koordinierende Aufgaben der Landeszentrale wahrgenommen. Dazu gehören:

    • die strategische Ausrichtung der Landeszentrale,
    • die Bearbeitung von übergreifenden Angelegenheiten der politischen Bildung: Theorie, Methodik und Didaktik der politischen Bildung,
    • die Kooperation mit der Bundeszentrale und anderen Landeszentralen für politische Bildung,
    • die fachliche Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen des Ministeriums und Ressorts der Landesregierung,
    • die Vertretung der Landeszentrale nach außen,
    • die Konzeptionierung und Durchführung von Projekten sowie zentralen Veranstaltungen zu Kernfragen der politischen Bildung.

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    Tel.: 0211/896-4844

    E-Mail:

  • Referat Veranstaltungen

    Demokratie lebt von der Beteiligung überzeugter Demokraten und Demokratinnen am politischen Diskurs. Konflikte friedlich, im demokratischen Streit auszutragen ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft.

    Die Landeszentrale für politische Bildung organisiert jedes Jahr über 100 Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen. In ganz Nordrhein-Westfalen bietet sie Teilnehmenden die Möglichkeit, über aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren.

    Neben Fachtagungen und Kongressen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der schulischen und außerschulischen Bildung bietet die Landeszentrale auch Angebote für Schülerinnen und Schüler an. Viele der Veranstaltungen werden in Kooperation mit Partnerinnen und Partnern aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Verwaltung durchgeführt.

    Die jeweils aktuellen Veranstaltungen finden Sie im Veranstaltungskalender.

    Derzeit stehen folgende Themen im Mittelpunkt:

    • Jugend, Demokratie und Europa
    • Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus
    • Integration und Zuwanderung
    • Islam, Islamismus und gewaltbereiter Salafismus
    • Zeitgeschichte und Erinnerungskultur
    • Politische Teilhabe von Zugewanderten

    Zu den Aufgaben des Veranstaltungsreferats gehören außerdem die Konzeption und Herausgabe von Unterrichtsmaterialien und Handreichungen sowie die Entwicklung neuer Formate der politischen Bildung.

    Projekte des Veranstaltungsreferates finden Sie hier.

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    Tel.: 0211/896-4852

    E-Mail:

  • Referat Publikationen

    Das Buch ist das Medium der Demokratie. Mit der Drucktechnik begann die Auflösung von Wissensmonopolen, Bildungsschranken fielen. Jetzt steht die "Gutenberg-Ära" vor neuen Herausforderungen. Aus diesem Grund bietet die Landeszentrale Publikationen in analoger und digitaler Form an.

    Egal auf welchem Trägermedium: Veröffentlichungen der Landeszentrale müssen wissenschaftlich fundiert und verständlich geschrieben sein.

    Die Landeszentrale vertreibt nicht nur gedruckte Sachbücher, Hörbücher, Graphic Novels, E-Books oder andere Publikationen, sondern initiiert und begleitet auch Buchprojekte in Zusammenarbeit mit Verlagen.

    Die Publikationen zu aktuellen und historischen Themen der politischen Bildung stehen Bürgerinnen und Bürgern, Bibliotheken, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen in NRW zu Verfügung.

    Verzeichnis aller Publikationen

    Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher (GHP)

    Der Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder und Jugendbücher (GHP) wird seit 1983 durch die Landeszentrale für politische Bildung betreut. Der Preis wird in Erinnerung an den früheren Bundespräsidenten Gustav W. Heinemann und sein friedenspolitisches Engagement verliehen.

    Jedes Jahr prämiert eine unabhängige Jury ein Buch, das Kinder und Jugendliche ermutigt Zivilcourage zu zeigen und sich für Friedens- und Menschenrechte einzusetzen.

    Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher (GHP)

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    Folgende Personen sind im Referat Publikationen tätig:

    Prof. Dr. Andreas Kost

    Referatsleitung und stellv. Leiter Landeszentrale
    Tel.:0211-896-4853
    E-Mail:

    Katharina Ellgaard

    Referentin | Lesungen | GHP
    Tel.:0211-896-4853
    E-Mail:

    Martina Böttcher

    Bestellbearbeitung | Bewirtschaftung Pauschale | GHP
    Tel.: 0211-896-4856
    E-Mail:

    Klaus Kaufmann

    Lesungen | GHP | Bestellbearbeitung | Präsenzbibliothek
    Tel.: 0211-896-4859
    E-Mail:

    Michael Czubak 

    Bestellbearbeitung | Koordinierung Versand | Präsenzbibliothek
    Tel.: 0211-896-4857
    E-Mail:

    Iman Shooshtari

    Redaktion | Kooperation Landeszentralen + Bundeszentrale | Bestellbearbeitung | Präsenzbibliothek
    Tel.: 0211-896-4860
    E-Mail:

    Roland Zerwinski

    Koordinierung Vertrieb | Bestellbearbeitung | Bewirtschaftung Pauschale | Präsenzbibliothek
    Tel.: 0211-896-4861
    E-Mail:

  • Referat Multimedia

    Digitalisierung und Globalisierung sind die aktuellen Herausforderungen für alle Gesellschaften - demokratische wie repressive. Die weltweite Vernetzung verändert die Verhaltens- und Kommunikationsmuster einer Gemeinschaft radikal.

    Waren im 20. Jahrhundert noch Film und Fernsehen das "Fenster zur Welt", ist es heute der vernetzte Computer. Dieses Universalmedium sorgt für gesamtgesellschaftliche Turbulenzen. Deshalb gilt es vieles neu zu überdenken: Was bedeutet Partizipation? Welchen Stellenwert hat politische Repräsentation? Wie verändert sich Wissen?

    Zum Kerngeschäft des Multimedia-Referates gehört der Umgang mit On- und Offline-Medien. Es editiert und distribuiert Informationen zu aktuellen und klassischen Themen der politischen und soziokulturellen Bildung. Die Verbreitung ist kanal- bzw. plattformübergreifend: über Web- und Online-Videos, aber auch noch über DVDs.

    Kontakt

    Tel.: 0211/896-4670
    E-Mail:

    zum Bereich Multimedia

  • Referat Gedenkstättenförderung und Erinnerungskultur

    Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist ein wesentlicher Bestandteil der demokratischen Kultur in Deutschland. Die Gedenkstätten sind authentische Orte der Erinnerung und des historisch-politischen Lernens.

    Die NS-Gedenkstätten stehen heute vor neuen Herausforderungen: Immer weniger Menschen haben den Nationalsozialismus noch bewusst erlebt. Zudem wächst der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte stetig. Offene Grenzen führen zu einer zunehmenden „Europäisierung“ nationaler bzw. ethnischer Geschichtsbilder.

    Um diesen neuen Herausforderungen und Fragestellungen gerecht zu werden, unterstützt die Landeszentrale Mahn- und Gedenkstätten bei der Entwicklung von zukunftsfähigen Konzepten.

    Kontakt

    Dr. Hans Wupper

    Referatsleitung
    Tel. 0211/896-4864
    E-Mail:

    Bert Krause

    Förderangelegenheiten
    Tel. 0211/896-4865
    E-Mail:

    zum Bereich "Erinnerungskultur"

  • Referat Präventionsarbeit gegen politischen und religiösen Extremismus, Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus

    Nordrhein-Westfalen als Einwanderungsgesellschaft ist ein von Vielfalt geprägtes Land. Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller, religiöser und weltanschaulicher Orientierung ist Bestandteil unseres Alltags. Zugleich sind Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer zugeschriebenen Herkunft von Rassismus betroffen.

    Die Landeszentrale arbeitet präventiv gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit in unterschiedlichen Phänomenbereichen: Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, gewaltbereiter Salafismus sowie Linke Militanz / Linksextremismus.

    Prävention

    Zum Kerngeschäft des Referats gehört die Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Dazu zählt u.a. auch die Förderung von Kommunen in ihrer Präventionsarbeit, die Förderung von Beratungsleistungen sowie die von Modellprojekten zur Prävention des gewaltbereiten Salafismus.

    Weitere Infos:

    Integriertes Handlungskonzept

    Landeskoordinierungsstelle

    Als Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus ist das Referat darüber hinaus für die Umsetzung des Bundesprogramms "Demokratie leben!" zuständig. Die Landeskoordinierungsstelle informiert über die Arbeit der Mobilen Beratung, der Opferberatungsstellen und der zivilgesellschaftlichen Aussteigerberatung. Sie ist außerdem Schnittstelle zu den einzelnen Partnerinnen und Partnern im Landesnetzwerk. Sie koordiniert, vernetzt und steuert die gemeinsame Arbeit und entwickelt das Verfahren für Beratungsleistungen auf Landesebene weiter.

    Weitere Infos:

    Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus

    Bundesprogramm "Demokratie leben!"

    Mobile Beratungen

    Opferberatung

    Aussteigerberatung

    Landesnetzwerk

    Kontakt

    Tel. 0211-896-4863 / -4868 / -4869

Arbeitsgrundlagen

Die Bildungsarbeit der Landeszentrale für politische Bildung NRW ist grundsätzlich überparteilich und wissenschaftlich ausgewogen. Sie unterliegt eigener gesellschaftspolitischer, pädagogischer und publizistischer Verantwortung. Immer jedoch sind wir Grundgesetz, Menschenrechten und der demokratischen politischen Kultur verpflichtet. Dies sind die drei Grundsatzpapiere für das Verständnis der politischen Bildung in Deutschland:

  • 1977: Beutelsbacher Konsens

    1. Überwältigungsverbot

    Es ist nicht erlaubt, den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer - im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der "Gewinnung eines selbständigen Urteils" zu hindern . Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der - rundum akzeptierten - Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers.

     

    2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.

    Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten. Zu fragen ist, ob der Lehrer nicht sogar eine Korrekturfunktion haben sollte, d. h. ob er nicht solche Standpunkte und Alternativen besonders herausarbeiten muss, die den Schülern (und anderen Teilnehmern politischer Bildungsveranstaltungen) von ihrer jeweiligen politischen und sozialen Herkunft her fremd sind.

    Bei der Konstatierung dieses zweiten Grundprinzips wird deutlich, warum der persönliche Standpunkt des Lehrers, seine wissenschaftstheoretische Herkunft und seine politische Meinung verhältnismäßig uninteressant werden. Um ein bereits genanntes Beispiel erneut aufzugreifen: Sein Demokratieverständnis stellt kein Problem dar, denn auch dem entgegenstehende andere Ansichten kommen ja zum Zuge.

     

    3. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren,

    sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Eine solche Zielsetzung schließt in sehr starkem Maße die Betonung operationaler Fähigkeiten ein, was eine logische Konsequenz aus den beiden vorgenannten Prinzipien ist. Der in diesem Zusammenhang gelegentlich - etwa gegen Herman Giesecke und Rolf Schmiederer - erhobene Vorwurf einer "Rückkehr zur Formalität", um die eigenen Inhalte nicht korrigieren zu müssen, trifft insofern nicht, als es hier nicht um die Suche nach einem Maximal-, sondern nach einem Minimalkonsens geht.

     

  • Münchner Manifest vom 26.5.1997

    Demokratie braucht politische Bildung

    Zum Auftrag der Bundeszentrale und der Landeszentralen für politische Bildung

    An der Schwelle des 21. Jahrhunderts stehen die Menschen national wie international vor grundlegenden politischen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die existentiell in das Leben gegenwärtiger und zukünftiger Generationen eingreifen. Im Übergang von der Industrie- in die postindustrielle Gesellschaft werden durch technologische Entwicklungen und globale ökonomische Transfers in fast allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen gravierende und sich ständig beschleunigende Veränderungsprozesse ausgelöst. Soziale und ökologische Effekte folgen. Die Veränderungen in der postindustriellen Gesellschaft sind äußerlich vor allem gekennzeichnet durch eine multimediale Informationsflut von unterschiedlichen Nachrichten", denen der einzelne ausgeliefert ist (Informationsgesellschaft). Chancen und Risiken sind nicht mehr regional eingrenzbar. Sie werden verteilt und wirken auf alle zurück. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung z.B. bei der drastischen Reduzierung der Arbeitsplätze und den damit verbundenen einschneidenden Veränderungen in der Lebenssituation der Menschen.

    Diese technischen Veränderungsprozesse scheinen aufgrund ihrer langfristigen Wirkungen und globalen Orientierung unumkehrbar und korrespondieren u.a. mit einer zunehmenden Verunsicherung der Menschen angesichts der unüberschaubaren und zeitgleich angebotenen Fülle von Daten, Fakten und Informationen. Der einzelne entwickelt sich zum Informationsriesen, bleibt aber ein Bildungszwerg. Denn innerlich hat sich parallel ein gewaltiger Wertewandel vollzogen, der gleichsam Voraussetzung zur Beschleunigung dieses Prozesses war und nun im Ergebnis selbst von dieser multimedialen Flut befördert wird: Individualismus, Egoismus, Entsolidarisierung, Auflösung von generationsübergreifenden Wertmaßstäben der christlich-abendländischen Tradition, bedingungslose Konsumorientierung und -haltung sind Stichworte, die diesen Prozeß beschreiben. Die damit einhergehende Pluralisierung der Gesellschaft mündet in eine wachsende Ablehnung dauerhafter Bindungen (in den individuellen Beziehungen genauso wie in Parteien, Verbänden, Kirchen usw.) und einer ausgeprägten Distanz zu der Welt der Politik (s. z.B. Wahlverhalten). Wenn auch diese Distanz zu spezifischen Formen der Politik und Parteienwelt nicht mit politischem Desinteresse überhaupt verwechselt werden darf, so ist sie dennoch eine Herausforderung für die politische Bildung.

    Zur gleichen Zeit muß weiter an der inneren Einheit Deutschlands gearbeitet werden. Viele Menschen haben einen Systemwechsel zu verkraften, der generell neue Antworten und Lösungen erforderlich macht. Die Menschen spüren, was ihnen abverlangt wird, und da sie sich oft nicht wirklich vorbereitet, sondern überfordert fühlen, reagieren nicht wenige mit Ängsten, mit Orientierungslosigkeit und Aggressivität. In Ost und West muß engagiert an der inneren Einheit Deutschlands weitergearbeitet werden.

    Der demokratische Rechtsstaat lebt vom mündigen Mitdenken und Mittun seiner Bürgerinnen und Bürger und ihrer Bereitschaft, sich selbst- und sozialverantwortlich ein Urteil zu bilden, in der Verfassung normierte Regeln und Werte zu respektieren und sich für sie zu engagieren. Demokratie muß in jeder Generation neu erworben werden: gerade in Deutschland aufgrund der Erfahrungen der jüngsten Geschichte. Politische Bildung im öffentlichem Auftrag leistet insbesondere hier einen fortdauernden und unverzichtbaren Beitrag zu persönlicher und gesellschaftlicher Orientierung sowie zur Entwicklung und Festigung demokratischer Einstellungen und Verhaltensweisen.

    Angesichts der umfassenden gesellschaftlichen, ökonomischen und technischen Veränderungen steht die politische Bildung vor neuen Aufgaben und Herausforderungen. Der Zukunftsorientierung der politischen Bildung kommt insbesondere auf dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen eine große Bedeutung zu.

    1. Politische Bildung im öffentlichen Auftrag arbeitet pluralistisch, überparteilich und unabhängig.

    Die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung erbringen auf dem dargestellten Hintergrund Leistungen, die von keiner anderen Einrichtung übernommen werden können. Andere Träger der schulischen und außerschulischen politischen Jugend- und Erwachsenenbildung sind in der Bildungslandschaft von größter Bedeutung und leisten wichtige Beiträge für die politische Bildungsarbeit. Sie können in die Arbeit der Landeszentralen sinnvoll und effektiv einbezogen werden und ergänzend zum Angebot der Landeszentralen und der Bundeszentrale zu einer pluralistischen politischen Bildung beitragen. Den Landeszentralen kommt dabei eine originäre Schlüsselfunktion zu, indem sie die Einbindung dieser Bildungsträger in ihre Arbeit koordinieren und damit die Vielfalt politischer Deutungsmuster und Handlungsmöglichkeiten sowie die Ausgewogenheit des Angebots garantieren. Durch Beratung, Unterstützung und Förderung kann die Qualität und Effektivität des Bildungsangebots anderer Träger gesteigert und die Pluralität gesichert werden.

    Die aufgrund der jeweiligen Gesetze bzw. Erlasse überparteilich arbeitenden Zentralen bieten das ideale Forum, um alle demokratischen Kräfte zusammenzuführen. Sie erreichen auch Menschen, die dem mitverantwortlichen Handeln in Parteien und anderen gesellschaftlichen Organisationen zurückhaltend gegenüberstehen. Die inhaltliche Arbeit der Zentralen vollzieht sich unabhängig und ohne Weisungen. Das ist ein entscheidendes Element für die Akzeptanz ihrer Arbeit.

    Die Arbeit der Bundeszentrale und der Landeszentralen ergänzen sich optimal. Bei der föderalen Struktur ist es möglich, auf die Bedürfnisse der Menschen auch in ihrem heimatlichen Bereich einzugehen und so die Arbeit den jeweiligen Gegebenheiten der verschiedenen Bundesländer anzupassen.

    Politische Bildung im öffentlichen Auftrag ist unverzichtbar und darf nicht dem Markt überlassen werden. Vielmehr muß sie als Gemeinschaftsaufgabe aller Beteiligten angesehen und weiterentwickelt werden.

    2. Die Zentralen für politische Bildung fördern die politische Partizipation der Bürgerinnen und Bürger

    Unsere moderne Gesellschaft im Umbruch - zumal in einem zusammenwachsenden Europa - fordert die Demokratiekompetenz der Bürgerinnen und Bürger auf eine besondere Weise heraus. Sie müssen sich auf Neues und Fremdes einlassen. Das gilt besonders für die Jugendlichen, die sich nicht in großer Zahl am politischen Leben beteiligen. Durch Tagungen, Wettbewerbe und jugendgemäße Aktivitäten eröffnen die Zentralen Zugänge zum demokratischen Mitmachen. Besonders Frauen sind nach wie vor zu wenig in der Politik vertreten. In vielen Projekten fördern die Zentralen daher das politische Engagement von Frauen. Darüber hinaus sprechen sie mit einem breiten Seminar- und Publikationsangebot verschiedene Zielgruppen - insbesondere Mittlerinnen und Mittler - an und motivieren und befähigen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zur aktiven Beteiligung an politischen Prozessen. Nur eine Bürgerschaft, die auf qualifizierte Weise am Zustandekommen dessen teil hat, worüber entschieden wird, steht auch in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche zur Demokratie. 

    3. Die Zentralen für politische Bildung bereiten auf die globalen Zukunftsaufgaben vor

    Da sich der Wandel in unserer Gesellschaft so dramatisch und rasant vollzieht, muß man den Menschen Hilfestellung anbieten. Die Zentralen stellen sich den gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Umbrüchen und setzen sich mit den damit verbundenen Problemen auseinander. Sie nehmen neue Themenstellungen in ihre Bildungsarbeit auf und müssen auch zukünftig für neue Inhalte offen sein (z.B. Globalisierung und ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen, Europa, Technikfolgen, Ökologie). Ihnen kommt darüber hinaus die Aufgabe zu, ggf. auch unpopuläre Themen zu besetzen und in die politische Bildung einzubringen. Die Arbeit der Zentralen für politische Bildung trägt dazu bei, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen und verschiedene Lösungsansätze kritisch zu diskutieren. Neben der Öffnung für neuartige Inhalte ist die Entwicklung, Umsetzung und Evaluierung neuer Methoden und Beiträge zur Didaktik der politischen Bildung von großer Bedeutung. Hierzu gehört neben der Nutzung neuer Techniken und Medien im Bildungsbereich (z.B. Internet) auch die Erprobung neuer Arbeitsweisen und Vermittlungsformen (z.B. Einbeziehung externer Kompetenz aus Wissenschaft, Politik, Praxis; Kooperationen mit anderen Trägern).

    Politische Bildung steht nicht im Gegensatz zur beruflichen Qualifikation, sondern ist Voraussetzung für ein erfolgreiches berufliches Handeln. In einer veränderten Arbeitswelt, in der das Gebot der ökonomischen Rationalität längst an ihre Grenzen stößt, sind vom einzelnen neue Qualitäten gefordert, die Kreativität, Urteilsfähigkeit und Verantwortungsbewußtsein einschließen. Die politische Bildung stellt mit der Heranbildung und Förderung politischer Urteilsfähigkeit eine wichtige Schlüsselqualifikation dar, die auch in der Arbeits- und Wirtschaftswelt zunehmend gefragt ist.

    4. Die Zentralen für politische Bildung arbeiten für die Stabilität der Demokratie auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

    Eine wetterfeste" Demokratie muß auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stabil bleiben. Die Zentralen tragen im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft und ihrer Folgen zur Versachlichung der politischen Auseinandersetzung bei und verhelfen der Einsicht zum Durchbruch, daß die Demokratie dann sicherer ist, wenn eine Gesellschaft nicht über ihre Verhältnisse lebt. Sie arbeiten für eine aktive Bürgergesellschaft, die den Staat als Summe aller Bürgerinnen und Bürger begreift und nicht als ein dienstleistendes Gegenüber.

    Die finanzielle Unterstützung der Bemühungen der vielen freien Träger politischer Bildung muß staatlich garantiert und verantwortet werden, damit die Arbeit gerade in schwierigen Phasen nicht gefährdet wird.

    5. In den neuen Bundesländern hat die politische Bildung besondere Aufgaben

    In den neuen Bundesländern fällt der politischen Bildung die wichtige Aufgabe zu, im Umbruch von Diktatur und zentralistischer Planwirtschaft zu Demokratie und sozialer Marktwirtschaft die Bereitschaft der Bürger für eigenverantwortliches politisches Handeln zu wecken und zu fördern. Über die Vermittlung von Kenntnissen über demokratische Institutionen und rechtsstaatliche Strukturen hinaus sind Angebote für die Einübung in eine demokratische Streitkultur und Meinungsvielfalt notwendig. Zugleich muß die Achtung vor anderen Einstellungen geweckt werden. Nur so können Bürgerinnen und Bürger für politische Aktivitäten befähigt werden. Zugleich kann politische Bildung den Verantwortlichen in Verwaltung und Parteien den Bürgerwillen nahebringen, die Nöte der Menschen und ihre Erwartungen nach bürgernahen und transparenten Entscheidungen thematisieren und in diesem Sinne vermittelnd und mobilisierend in Entscheidungsfindungen eingreifen.

    Es ist darüber hinaus eine zentrale Aufgabe politischer Bildung, den Vereinigungsprozeß für die Menschen in Ost und West begreifbar zu machen. Das erfordert ein aktives und verstärktes Aufeinander-Zugehen.

    6. Die kritische Aufarbeitung der deutschen Geschichte ist eine zentrale Aufgabe der politischen Bildung.

    Politische Bildung muß sich mit den totalitären Erfahrungen intensiv auseinandersetzen, damit durch die Erinnerungsarbeit die Irrtümer der Vergangenheit künftig vermieden werden können. Die Zentralen für politische Bildung arbeiten eng mit den Gedenkstätten zusammen.

    7. Die politische Bildung verfügt über vielfältige Methoden und Arbeitsweisen

    Das Profil der Arbeit der Zentralen ist gekennzeichnet durch:


    Auf der Basis dieses Positionspapiers leisten die Landeszentralen und die Bundeszentrale für politische Bildung eigenverantwortlich ihre gemäß den jeweiligen rechtlichen Grundlagen spezifische Arbeit.

    Gewiß läßt sich der Ertrag politischer Bildungsarbeit nicht mit ökonomischen Kategorien von Input und Output berechnen. Ebenso können kurzfristige Effizienzüberlegungen kein taugliches Kriterium für politische Bildungsarbeit sein. Dennoch ist sicher: Bildung verändert Denken und Verhalten der Menschen, vermittelt Orientierung und ist damit eine Investition für die Zukunft. Bildungsarbeit - d.h. Entwicklung von Materialien, die Bereitstellung eines pluralen Informationsangebots, die Durchführung vielzähliger und verschiedener Bildungsveranstaltungen - erfordert einen hohen finanziellen Aufwand. Eine ausreichende materielle Ausstattung ist daher Voraussetzung für eine erfolgreiche politische Bildungsarbeit in öffentlicher Verantwortung. Gelder, die in die politische Bildung investiert werden, tragen gute Zinsen.