Symbole für Hate Speech

Digitale Zivilcourage – Überblick

Gegen Hass im Netz und für ein faires Miteinander

Immer wieder fällt der Begriff „Hatespeech” – aber was genau ist eigentlich damit gemeint? Wie kann man reagieren, wenn man selbst betroffen ist? Und warum ist es wichtig, im Netz Zivilcourage zu zeigen und sich für ein respektvolles Miteinander einzusetzen?

In unserem Themenspecial erklären wir grundlegende Begriffe und zeigen, wie wir selbst aktiv werden können. Beispiele dafür liefert auch unsere Auswahl an Projekten, die sich für digitale Zivilcourage und gegen Hatespeech engagieren. Und wer noch nicht genug hat, für den haben wir weiterführende Links und Medien zusammengestellt.

Grundbegriffe

Unser Umgang miteinander im Netz ist wichtig, weil er damit zusammenhängt, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen.

So trägt Hatespeech zum Beispiel zu einer Polarisierung von Positionen bei, bei der beide Seiten nicht mehr bereit sind, einander zuzuhören, gemeinsam zu diskutieren und Kompromisse zu finden. Wenn Menschen sich sogar aus Diskussionen zurückziehen, weil sie Hatespeech erfahren, dann geht damit auch ihre Meinung verloren. Hatespeech kann so letztendlich unsere Meinungsbildung beeinflussen (mehr dazu in einer Publikation des Grimme-Instituts, S. 10 (PDF, 2 MB)).

Wenn Hatespeech das Internet prägt, kann das reale Gewalt begünstigen. Denn Hass im Netz kann ein gesellschaftliches Klima fördern, in dem Diskriminierung und Gewalt von manchen akzeptiert werden.

Dagegen ist ein gutes, konstruktives Miteinander im Netz eine Bereicherung für die Gesellschaft. Soziale Netzwerke können den Austausch erleichtern und die Beteiligung an der Gesellschaft und politischen Debatten fördern.

Zivilcourage zeigen

Wenn es darum geht, was jede und jeder einzelne gegen Diskriminierung und Gewalt in der realen Welt tun kann, ist häufig von Zivilcourage die Rede. Das bedeutet, sich öffentlich für die eigenen Werte einzusetzen. Dazu gehört zum Beispiel, für andere einzutreten, die bedroht werden. Oder sich selbst gegen Angriffe oder Belästigungen zu wehren.

Gegen Hatespeech kann digitale Zivilcourage helfen. Das bedeutet zum Beispiel, auf Hasskommentare zu antworten und darauf hinzuweisen, dass sie Rechte verletzen. Oder anderen beizustehen, die in Online-Diskussionen angegriffen werden.

Ziel ist, demokratische Haltungen sichtbar zu machen. Denn oft ist es eine kleine, aber laute Minderheit, die Hass verbreitet.

Viele Initiativen gegen Hatespeech vermitteln, wie man digitale Zivilcourage zeigen kann. Sie möchten Menschen stärken, die sich gegen Hass im Netz und für ein faires Miteinander engagieren. Das wird oft als Empowerment bezeichnet.

„Hatespeech“ bedeutet übersetzt „Hassrede“. Darunter werden in der Regel „abwertende, menschenverachtende und volksverhetzende Sprache und Inhalte“ verstanden, welche die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreiten (zum Beitrag auf klicksafe.de). Es gibt jedoch keine klare, allgemein akzeptierte Definition, und „Hatespeech“ ist kein juristisch definierter Begriff.

Grundsätzlich darf in Deutschland jeder Mensch sagen, was er denkt. Diese Meinungsfreiheit wird durch Art. 5 Abs. 1 des Grundgesetzes garantiert. Die eigene Meinungsfreiheit geht aber nur so weit, wie die Grundrechte anderer Personen nicht verletzt werden.

Das heißt, in folgenden Fällen kann man sich nicht auf die Meinungsfreiheit berufen:

  • Wenn man die Menschenwürde oder Persönlichkeitsrechte einer anderen Person verletzt oder sie durch Beleidigungen herabwürdigt.
  • Wenn die Aussagen Straftaten darstellen. Das können zum Beispiel der Straftatbestand der Beleidigung (§185 StGB) sein oder der Straftatbestand der Volksverhetzung (§130 StGB).
  • Wenn die Bestimmungen zum Schutz der Jugend durch Meinungsäußerungen verletzt werden.

Die Grenzen der Meinungsfreiheit

Über die Meinungsfreiheit und deren Grenzen wird immer wieder kontrovers diskutiert. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das im Juni 2017 verabschiedet wurde (zum Beitrag über das NetzDG auf bmjv.de). Es zielt darauf, geltendes Recht auch in sozialen Netzwerken durchzusetzen und strafbare Inhalte dort wirksam zu bekämpfen. Betreiberinnen und Betreiber von sozialen Netzwerken müssen demnach innerhalb bestimmter Fristen strafbare Inhalte löschen. Eine Herausforderung ist der Umgang mit Beiträgen, die sich im Graubereich zwischen Meinungsäußerung und einem Straftatbestand befinden. Kritikerinnen und Kritiker fürchten, dass sich Plattformverantwortliche eher für die Löschung oder Sperrung von solchen Beiträgen entscheiden (zum Beitrag auf digitalegesellschaft.de). Dies - so die Kritik - gefährde die Meinungsfreiheit.

Hatespeech im Internet spiegelt Konflikte und Phänomene aus der Offline-Welt wider. Zum Beispiel werden häufig Menschen aufgrund unterschiedlicher Identitätsmerkmale diskriminiert. Das umfasst unter anderem Diskriminierung aufgrund:

  • der Herkunft (Rassismus, Fremdenfeindlichkeit)
  • der Religionszugehörigkeit (Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus)
  • des Geschlechts (Sexismus, Frauenfeindlichkeit)
  • der sexuellen Orientierung oder der geschlechtlichen Identität (Homo- und Transfeindlichkeit)

Die Liste ist beliebig fortführbar.

Auch im Umgang mit bestimmten Berufsgruppen oder bei bestimmten Themen ist der Diskurs mitunter extrem hasserfüllt. So werden zum Beispiel Menschen, die in Politik, Medien und Wissenschaft tätig sind, immer öfter Opfer von Hatespeech und wegen ihrer Überzeugungen oder Aussagen angegriffen. Praktisch funktionieren die nachfolgend beschriebenen Mechanismen von Hatespeech bei allen Berufsgruppen und Themen.

Die Mechanismen

Bei Hatespeech lassen sich verschiedene Mechanismen erkennen, die verwendet werden, um andere zu diskriminieren und diskreditieren:

  • Es werden ungesicherte oder falsche Aussagen verbreitet, zum Beispiel rassistische oder andere Stereotype. Dies kann bis hin zu Unterstellungen oder Anschuldigungen gehen. Oft werden die angegriffenen Personen als kriminell bezeichnet oder als Teil einer Verschwörung dargestellt.
  • Es wird eine spaltende „Wir-gegen-die“-Rhetorik verwendet. Sie unterscheidet zwischen „uns“ – denjenigen, die Hatespeech einsetzen – und „den anderen“ – den Gruppen, gegen die sich Hatespeech richtet. Dabei kommt oftmals eine sehr plakative Bildsprache zum Einsatz.
  • Es werden allgemeine Hassreden formuliert, Beleidigungen ausgesprochen und Menschen aufgrund der oben genannten Identitätsmerkmale abgewertet.
  • Hatespeech in ihrer extremsten Form ruft zu konkreten Gewalttaten auf. Vor allem Frauen wird häufig sexualisierte Gewalt angedroht.

Solche Formen von Hatespeech gefährden nicht nur die Diskussionskultur im Netz. Sie können auch schwere gesundheitliche Folgen für die Betroffenen haben. Darum ist es wichtig, sich gegen Hatespeech zur Wehr zu setzen.

Hier geht's weiter

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Aktiv werden

Was Betroffene gegen Hatespeech tun und wie wir alle digitale Zivilcourage zeigen können.

Grafik unterschiedlicher Bildschirme, auf denen ein Korrekturhaken zu sehen ist  - Link auf: Gute Beispiele

Gute Beispiele

Wir stellen Projekte vor, die sich für digitale Zivilcourage einsetzen.

Ein Notizblock mit dem Schriftzug "www"  - Link auf: Infos und Medien

Infos und Medien

Hier bieten wir eine Auswahl an weiterführenden Informationen zum Thema „Hatespeech“.