Anpassung an Hitze: Ist eine Siesta für NRW eine gute Idee?

28.07.2023 - Themenbereiche: Nordrhein-Westfalen, Politik, Wirtschaft
Mensch mit nackten Füßen liegt auf einer Mauer

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Kurzfassung

„Siesta“: Das klingt in den Ohren vieler nach Urlaub im Süden – und nicht gerade nach Arbeitsalltag in NRW. Doch angesichts zunehmender Hitzewellen hält NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die ausgedehnte Mittagspause künftig auch in Nordrhein-Westfalen für denkbar. Unternehmen seien verpflichtet, Arbeitsschutzmaßnahmen gegen Gefährdungen durch Hitze zu ergreifen, sagte Laumann der DEUTSCHEN PRESSEAGENTUR – und unterstrich, eine Siesta könne hier ein sinnvolles Mittel sein.

Zuvor hatte der Bundesverband der Amtsärzte gefordert, die Mittagspausen in Deutschland an die steigenden Temperaturen anzupassen. „Wir sollten uns bei Hitze an den Arbeitsweisen südlicher Länder orientieren: Früh aufstehen, morgens produktiv arbeiten und mittags Siesta machen, ist ein Konzept, das wir in den Sommermonaten übernehmen sollten", betonte der Verbandsvorsitzende Johannes Nießen gegenüber dem REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND. Doch auf der Arbeitgeberseite regt sich Widerstand.

„Vielfach sind derart lange Pausen (…) mit den betrieblichen Abläufen nicht vereinbar“

Der Unternehmerverband NRW etwa hält eine flächendeckende Hitze-Siesta in Deutschland für utopisch. „Vielfach sind derart lange Pausen (…) mit den betrieblichen Abläufen nicht vereinbar“, kommentiert der Verband den Siesta-Vorstoß gegenüber SAT.1 NRW. Auch die in Hamm beheimatete Präsidentin des Verbandes der Familienunternehmer, Marie-Christine Ostermann, lehnt eine gesetzlich festgelegte Siesta gegenüber der RHEINISCHEN POST ab – denn Arbeitgeber:innen seien „bereits jetzt dazu aufgerufen, Maßnahmen für ein erträgliches Arbeiten zu ergreifen“.

Ist eine Siesta für NRW dennoch eine gute Idee?

Acht Perspektiven

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„Neue, heiße Arbeitswelt – Gute Ideen gegen Hitze gefragt“

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), 18.07.2023 - Jan Dörner

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Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Chefreporter Jan Dörner hält es für notwendig, gewohnte Arbeitszeitmodelle angesichts des Klimawandels infrage zu stellen. Für bestimmte Berufsgruppen verspreche die südländische Auszeit am Mittag einen besseren Arbeitsschutz. Denn: „Bei Gluthitze lässt es sich im Freien nicht arbeiten“, schreibt er in seinem Kommentar für die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ).

Prognosen zufolge werde die Anzahl der Hitzetage in den kommenden Jahren zunehmen, mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Für Menschen, die körperlich arbeiten, erschwere das die Arbeitsbedingungen ungemein – etwa für Müllwerker, Mitarbeiter:innen der Straßenreinigung, Beschäftigte in der Landwirtschaft und der Gastronomie oder Arbeitende auf dem Bau und in Gärtnereibetrieben. „Die Mülltonne leert sich nicht vom Homeoffice aus, wenn die Hitze den Asphalt aufweicht“, so Dörner.

Für den Chefreporter steht es außer Frage, dass die klimatischen Bedingungen die Arbeitswelt verändern werden. Unternehmen, Gewerkschaften und Politik seien gezwungen, die Beschäftigten vor den Gefahren des Klimawandels zu schützen – auch durch Ideen wie die Siesta. „Es ist keine Sommerlochdebatte, sich angesichts des Klimawandels Gedanken über die neue, heiße Arbeitswelt zu machen.“

Anmerkungen der Redaktion

Jan Dörner ist Chefreporter in der Politik- und Wirtschafts-Redaktion der FUNKE Zentralredaktion in Berlin. Zuletzt war er bundespolitischer Korrespondent für die STUTTGARTER ZEITUNG und leitete zuvor den Bereich Bundespolitik bei der Nachrichtenagentur AFP. Dörner hat an der Freien Universität Berlin Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie Geschichte und Politikwissenschaften studiert. Das MEDIUM MAGAZIN hat Dörner 2011 als „Top 30 unter 30“ der talentiertesten jungen Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet.

Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) ist die größte deutsche Regionalzeitung. Erstmals erschien sie im Jahr 1948. Ihr Hauptsitz ist in Essen, sie erscheint jedoch im gesamten Ruhrgebiet. Im Laufe der Jahre wurden mehrere andere Zeitungen aufgekauft und die „Zeitungsgruppe WAZ“ entstand, die 1997 in „WAZ-Mediengruppe“ umbenannt wurde. Heute wird die WAZ von der Funke-Mediengruppe herausgegeben. Überregionale Themen werden von der Zentralredaktion in Berlin bearbeitet. Chefredakteur der WAZ ist Andreas Tyrock mit seinem Stellvertreter Alexander Marinos. Die Geschäftsführung übernehmen Andrea Glock, Simone Kasik, Thomas Kloß und Christoph Rüth. Wie zahlreiche andere Zeitungen hat auch die WAZ-Mediengruppe stark mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen. Im ersten Quartal 2023 lag diese bei rund 370.000 verkauften Exemplaren, zu Beginn des Jahrtausends waren es noch knapp dreimal so viele. Dennoch ist die WAZ nach wie vor die größte regionale Tageszeitung in Deutschland.

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„Mehr Siesta wagen!“

Rheinische Post (RP), 18.07.2023 - Dorothee Krings

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Die Perspektive in 30 Sekunden

„Mehr Siesta wagen!“, fordert die Redakteurin Dorothee Krings. Zwar sei Deutschland traditionell eher für das effiziente Abarbeiten strikter Zeitpläne bekannt. Doch die Arbeitswelt müsse lernen, mit Hitzephasen umzugehen: „[E]s ist klug, Wandel auch als Wandel zu behandeln und sich möglichst früh über Anpassung Gedanken zu machen“, rät Krings in der Tageszeitung RHEINISCHE POST (RP).

Die Siesta betrachtet Krings als eine mögliche Strategie – ähnlich wie das Umdenken beim Bauen oder der neuen Gestaltung von Gärten und Städten. „In allen wird das Gewohnte in Teilen verschwinden“, meint sie. Und ein größerer Handlungsspielraum führe dazu, dass die Menschen auch gelassener mit dem Wandel umgehen. „Bedeutung und Stellenwert von Arbeit scheinen neu verhandelt werden zu müssen“, so die Redakteurin.

Die Siesta als Aufruf zum Faulenzen zu verstehen, sei jedoch falsch. Denn vor allem gehe es um eine Verlagerung von Arbeitszeiten in die kühleren Stunden des Tages. „Man fängt deutlich früher an, verkriecht sich ausgiebig vor der Hitze, und nimmt am späten Nachmittag oder frühen Abend wieder die Arbeit auf“, so Krings. Weniger Arbeit bedeute die Siesta also nicht, auch sei eine erhöhte Disziplin erforderlich, nach ausgiebiger Mittagspause die Konzentration wieder hochzufahren, damit das Tagespensum auch geschafft werde.

Anmerkungen der Redaktion

Dorothee Krings ist Autorin und Journalistin. Für die RHEINISCHE POST arbeitet sie als Redakteurin in den Ressorts Politik sowie Meinung und Analyse, unter anderem schreibt sie die Kolumne „Gesellschaftsfragen“. Zuvor war sie als Lektorin an einer Hochschule in Polen tätig. Krings hat Journalistik, Germanistik sowie Theaterwissenschaften studiert und promovierte mit der Arbeit „Theodor Fontane als Journalist“.

Die RHEINISCHE POST (RP) ist eine regionale Tageszeitung, die zur „Rheinische Post Mediengruppe“ gehört. Der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt auf Nordrhein-Westfalen. Die Zeitung wurde 1946 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Düsseldorf. Chefredakteur ist Moritz Döbler. Laut einem Ranking von KRESS.DE war die RHEINISCHE POST die zweitmeist zitierte Regionalzeitung Deutschlands. Die verkaufte Auflage lag im ersten Quartal 2023 bei rund 225.000 Exemplaren. Das entspricht einem Minus von 44 Prozent seit 1998. Trotzdem dominiert die RHEINISCHE POST laut ÜBERMEDIEN den Markt Düsseldorfer Lokalzeitungen und hat andere Lokalangebote weitestgehend verdrängt. Für die Berichterstattung über einen Fall mehrfacher Kindstötung in Solingen hat die RHEINISCHE POST zusammen mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG und der BILD eine Rüge des Presserats erhalten. Die RHEINISCHE POST hatte Chatnachrichten eines Kindes veröffentlicht. Die RP gilt als liberal-konservatives Blatt, das politisch der CDU nahesteht. Sie beschreibt sich selbst als „Zeitung für Politik und christliche Kultur“, die für „Demokratie, Freiheit und Menschenwürde“ eintritt.

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„Das spricht für die sommerliche Siesta“

Südwestrundfunk (SWR), 19.07.2023 - Stefan Troendle

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Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Redakteur Stefan Troendle betrachtet eine regelmäßige Siesta als guten Dienst an der Gesundheit. Denn aus medizinischer Sicht spreche vieles für die verlängerte Mittagspause, wie er in seinem Beitrag für den SÜDWESTRUNDFUNK (SWR) herausstellt.

Troendle verweist auf Studien aus der Schweiz und Griechenland, nach denen das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, geringer sei, wenn Menschen zwei bis dreimal pro Woche eine Siesta halten. Zudem diene die regelmäßige mittägliche Ruhepause auch dem Stressabbau.  

Hitze führe auch zu einem schlechteren Nachtschlaf – vor allem in sogenannten Tropennächten, in denen die Temperatur über 20 Grad bleibe. Dieser Schlafmangel schlage sich in einer schlechteren Konzentration nieder. „Insofern ist dann eine Siesta oder neudeutsch: ein Powernap, ein prima Ausgleich“, findet Troendle.

Anmerkungen der Redaktion

Der Journalist Stefan Troendle ist Reporter und Redakteur beim SWR. Vorrangig ist er beim SWR3 für tagesaktuelle Nachrichten zuständig. Bevor er zum SWR ging, war er Hörfunkkorrespondent im ARD-Studio Rom. Von der BILD-Zeitung wurde er für einen Schlagabtausch kritisiert, den er sich mit Nicola Beer (FDP) auf Twitter zum Thema Rundfunkbeitrag lieferte. Troendle hatte Beer in dem sozialen Netzwerk vorgeworfen, ihre Forderung nach einer Beitragssenkung spiele der AfD in die Hände.

Der SÜDWESTRUNDFUNK (SWR) ist eine deutsche Rundfunkanstalt. Seit der Fusion von SÜDWESTFUNK und SÜDDEUTSCHEM RUNDFUNK im Jahr 1998 ist der SWR nach dem WDR die zweitgrößte Rundfunkanstalt der ARD. Im Sendegebiet in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erreicht der SWR laut der Media-Analyse „ma 2021 Audio“ rund 6 Millionen Menschen jeden Wochentag. Auch der Webauftritt des SWR hatte allein im Januar 2023 laut Similarweb rund 16,6 Millionen Besuche vorzuweisen. Der SWR wird von einem Rundfunkrat kontrolliert, der aus Vertreter:innen gesellschaftlich und politisch relevanter Interessensvertretungen der beiden Bundesländer besteht. Der SWR verfügt über einen Fernsehsender, sechs Radioprogramme (darunter ein Jugend- und ein Nachrichtensender) und mehrere Orchester und Chöre.

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„Die Siesta-Debatte erscheint realitätsfremd“

Handelsblatt, 24.07.2023 - Ben Mendelson

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Die Perspektive in 30 Sekunden

Die Siesta-Debatte ist realitätsfremd, meint der Redakteur Ben Mendelson. Eine Siesta für alle sei in vielen Branchen kaum umsetzbar. Statt über „Mittagsschlaf am Fließband“ zu reden, sollten nach seiner Meinung umsetzbare Alternativen gepriesen werden. „Es gibt bessere Lösungen als eine längere Mittagspause“, konstatiert Mendelson in der Wirtschafts- und Finanzzeitung HANDELSBLATT.

Für Branchen wie Krankenhäuser, Schulen, Pflegeheime, Supermärkte, Medien, Gastronomie, Logistikfirmen oder Fabriken sei eine Siesta keineswegs mit den Arbeitsabläufen vereinbar. „Alles soll schneller gehen und ständig verfügbar sein – aber von zwölf bis 15 Uhr ist Pause in der Bundesrepublik?“, gibt er zu bedenken. „Wohl kaum.“ Zumal auch lange Arbeitswege der Siesta im Weg stünden.

Mendelson fordert Arbeitgeber:innen dazu auf, für mehr Abkühlung am Arbeitsplatz zu sorgen: etwa durch Ventilatoren, Klimaanlagen oder Fußbäder. Auch gelte es, strenge Dresscodes zu lockern: „[A]uch Manager sollten im Hochsommer auf leichtere Kleidung statt langer Hose und Sakko setzen dürfen“, plädiert er. Kontraproduktiv seien indes Büroneubauten mit reiner Glasfassade, „die sich auf gefühlt über 50 Grad erhitzen“.

Anmerkungen der Redaktion

Ben Mendelson ist Redakteur für Datenjournalismus und digitales Storytelling beim HANDELSBLATT, wo er bereits als Werkstudent tätig war. Als freier Journalist war er unter anderem für den WDR tätig. Mendelson hat einen Bachelorabschluss in Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen absolviert. Danach absolvierte er ein Volontariat bei der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten.

Das HANDELSBLATT ist die auflagenstärkste deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzzeitung. Sie wird zu den Leitmedien gezählt, also zu denen, die einen besonderen Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf andere Massenmedien ausüben. Sie erschien erstmals 1946 mit der Auflage der britischen Militärbehörden, das „friedliche Zusammenspiel von Arbeit und Kapital“ journalistisch im Einklang zu halten. Die Blattlinie des HANDELSBLATTS wird üblicherweise als wirtschaftsliberal angesehen. Das HANDELSBLATT finanziert sich durch Abonnements, Printverkäufe und Werbung. Es hat zwei Online-Bezahl-Modelle: „Premium“ und „Premium Plus“ und hostet außerdem Live-Events in Form von Tagungen, Trainings und Konferenzen. Die verkaufte Auflage des HANDELSBLATT liegt bei knapp 132.785 Exemplaren (1/2023) und ist damit geringer als im vorigen Quartal.

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„Nur weil es mal drei Tage warm ist, brauchen wir noch keine Siesta in Deutschland“

Wirtschaftswoche (WIWO), 18.07.2023 - Jannik Deters

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Der Redakteur Jannik Deters bezweifelt, dass die Siesta zu einem entspannteren Arbeitsalltag führt. Ihrem Image als „Sehnsuchtsort“ werde die ausgedehnte Mittagspause jedenfalls nicht gerecht: „Sie ist ein starres Relikt der Vergangenheit“, kommentiert Deters in der Wochenzeitung WIRTSCHAFTSWOCHE (WIWO).

Die Siesta stamme aus einer Zeit, in der spanische Arbeiter mittags nach Hause fuhren, um von der Ehefrau bekocht zu werden. „Lange her“, meint Deters. Denn in südeuropäischen Ländern verfallen seiner Meinung nach längst nicht mehr alle zwischen 13 und 16 Uhr in „kollektive Hitzestarre“. Auch dort habe man erkannt, dass die Siesta die Arbeitstage unnötig verlängert – und das sei „alles andere als nachahmungswürdig“.

Es brauche keine „populistische Forderung“ nach deutscher Siesta, sondern mehr Mut und das Vertrauen von Manager:innen – mit ganz individuellen Verschnaufpausen für Beschäftigte. Über die Aufregung um die Siesta kann Deters nur den Kopf schütteln: „Da ist es mal drei Tage warm zwischen Flensburg und Füssen – und schon sind Biorhythmus und Kapazitätsgrenzen der deutschen Arbeiterschaft in Gefahr?“, überspitzt er. „Wohl eher nicht.“

Anmerkungen der Redaktion

Jannik Deters ist Redakteur bei der WIRTSCHAFTSWOCHE (WIWO). Er hat in Köln und Medellín Lateinamerikastudien und Sozialwissenschaften studiert. Für den Journalismus interessiert er sich seit einem Schülerpraktikum beim STERN. Bis Juni 2021 war Deters Volontär an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten in Düsseldorf. Seitdem arbeitet er in der WIWO-Redaktion. Seine Schwerpunkte sind Management, Karriere, Arbeit und Betrug.

Die WIRTSCHAFTSWOCHE ist eine seit 1926 bestehende überregionale Wochenzeitung mit Sitz in Düsseldorf, deren verkaufte Auflage zuletzt bei etwas über 99.000 lag (1/2023). Sie erscheint im Handelsblatt Verlag, der mit dem HANDELSBLATT eine weitere renommierte Wirtschaftszeitung herausgibt. In ihrer Ausrichtung gilt die Zeitung als wirtschaftsliberal. Die WIRTSCHAFTSWOCHE gehört zu den Pflichtblättern an den Börsen in Düsseldorf und Frankfurt und erfährt Aufmerksamkeit vor allem über ihre Berichterstattung mit Rankings, etwa zu Hochschulen oder Städten. Der Vermarkter Iq Media zeichnet die Hauptzielgruppe der WIRTSCHAFTSWOCHE als männlich, mittelständisch und überdurchschnittlich wohlhabend.

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„Viel heiße Luft um die Siesta“

Apotheken Umschau, 19.07.2023 - Laura Weisenburger

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Die Ärztin Laura Weisenburger hält die Forderung nach einer deutschen Siesta für „heiße Luft“. Zwar könne zu viel Arbeit in der ungeschützten Hitze durchaus Schaden anrichten. Davon jedoch seien die meisten Beschäftigten überhaupt nicht betroffen: „Heutzutage arbeiten (…) die wenigsten Menschen noch auf dem Feld“, schreibt die Medizinerin im Gesundheitsmagazin APOTHEKEN UMSCHAU.

Viele Beschäftige seien in ihren Jobs gut vor der Mittagshitze geschützt: „Der Großteil sitzt ohne große körperliche Betätigung in eventuell sogar klimatisierten Büros mit Zugang zu gekühltem Wasser“, so Weisenburger. Berufsgruppen, die tatsächlich in brütender Mittagshitze ohne Sonnenschutz draußen arbeiten müssen, empfiehlt Weisenburger einen Blick in die Arbeitssicherheitsbestimmungen – denn der Arbeitsschutz müsse auch ohne bundesweite Siesta-Regelung umgesetzt werden.

Zudem sei die Regelung für Familien keineswegs nicht umsetzbar, da die Siesta es Müttern und Vätern unter Umständen noch schwieriger mache, berufliche und familiäre Pflichten miteinander zu kombinieren. „So gut der Vorschlag einer Mittagspause zur Bewältigung der Hitze gemeint sein mag, so kurz ist er gedacht“, resümiert Weisenburger.

Anmerkungen der Redaktion

Laura Weisenburger ist Fachärztin für Bauchchirurgie sowie Journalistin. Nach neun Jahren als Ärztin wechselte sie 2019 zum Journalismus und ist seitdem Redaktionsmitglied der APOTHEKEN UMSCHAU. Dort moderiert sie unter anderem den Podcast „Ne Dosis Wissen“. Nebenbei studiert sie Digitalen Journalismus im Master.

Die APOTHEKEN UMSCHAU ist ein Gesundheitsmagazin, das in Apotheken als kostenlose Kundenzeitschrift angeboten wird. Die APOTHEKEN UMSCHAU erscheint zweimal monatlich, zuletzt in einer verkauften Auflage von rund 6.893.000 Exemplaren (1/2023). Die Zeitschrift erscheint seit 1956 als wichtigstes Produkt des Wort & Bild Verlags. Die APOTHEKEN UMSCHAU finanziert sich durch Anzeigenverkäufe und ihren Verkauf an Apotheken. Der Verkaufspreis ist dabei gestaffelt, bei einer Mindestabnahme von 50 Exemplaren liegt er bei 52 Cent pro Stück. Das Magazin der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG bezeichnet die lange als „Rentner-Bravo“ verspottete Zeitschrift als „geniales Geschäftsmodell mit einer Auflage wie das Telefonbuch, Anzeigenpreisen eines Wirtschaftsmagazins und dem Seitenumfang einer Modezeitschrift“. Der DEUTSCHLANDFUNK kritisierte 2012, Apotheken seien aufgrund der Erwartungshaltungen ihrer Kunden und der Monopolstellung der Zeitung quasi dazu gezwungen, die APOTHEKEN UMSCHAU zu bestellen.

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„Siesta, Sesta oder Mesimeri: In welchen Ländern die lange Mittagspause üblich ist“

Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), 18.07.2023 - RND-Redaktion

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Die ausgedehnte Mittagspause gehört in Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland längst zum Arbeitsalltag. Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND (RND) hat recherchiert, was es im europäischen Süden mit der „Siesta“, „Sesta“ und „Mesimeri“ auf sich hat.

In Spanien und Portugal sind längere Pausen zur heißen Mittagszeit in Büros demnach schon lange üblich. Gleichzeitig werde dort in vielen Läden von 13 bis 16 Uhr die Tür geschlossen – diese seien dann abends umso länger geöffnet. „Während der Siesta halten allerdings längst nicht mehr alle Menschen ein Nickerchen“, so die RND-Redaktion. Üblich seien etwa ausgedehnte Mittagessen mit Familie oder Kolleg:innen. In Portugal spreche man nicht von „Siesta“, sondern von „Sesta“.

„Doch während in Deutschland über die Einführung einer Siesta nachgedacht wird, geht dieses Vorgehen in Ländern wie Spanien in den letzten Jahrzehnten eher wieder zurück“, heißt es in dem Beitrag. Im öffentlichen Dienst sei die Siesta in Spanien etwa bereits im Jahr 2005 stark eingedämmt worden: Anstelle von zwei Stunden gebe es seither nur noch eine Stunde Mittagspause für die Angestellten.

In Griechenland werde weiterhin vielerorts eine verlängerte Mittagspause gemacht. „Die heißt dort allerdings ‚Mesimeri‘, was so viel wie ‚Mitte des Tages‘ auf Deutsch bedeutet“, erläutern die Autor:innen. Etwa drei Stunden lang herrsche zur besonders heißen Mittagszeit Ruhe in vielen Straßen der Städte. Längere Mittagspausen von Geschäften seien auch in Italien üblich. „Gesetzlich geregelt sind diese Zeiten aber nicht“, heißt es weiter.

Anmerkungen der Redaktion

Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND (RND) ist eine 2013 gegründete überregionale Nachrichtenplattform der Madsack Mediengruppe. Der RND ist das Ergebnis von Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen bei Lokalzeitungen: Der RND verkauft sein Angebot von überregionalen Nachrichten unter anderem an lokale Tageszeitungen wie die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG, die MÄRKISCHE ALLGEMEINE oder die OSTSEE-ZEITUNG. Die Madsack Mediengruppe gehört zu 23 Prozent der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG), die die Medienbeteiligungen der SPD verwaltet. Laut Similarweb hatte der Webauftritt des RND im Januar 2023 rund 11,7 Millionen Besuche zu verzeichnen. Die Chefredaktion haben Marco Fenske und Eva Quadbeck inne.

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„Umfrage zu Klimafolgen: So ist NRW auf Extremwetter vorbereitet“

Westdeutscher Rundfunk (WDR), 14.07.2023 - Rainer Striewski, Elena Riedlinger, Nandor Hulverscheidt

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Die Perspektive in 30 Sekunden

Wie reagieren die Kommunen in NRW auf extreme Hitze, Dürre oder Überflutungen? Dieser Frage sind die Journalist:innen Rainer Striewski, Elena Riedlinger und Nandor Hulverscheidt für den WESTDEUTSCHEN RUNDFUNK (WDR) nachgegangen.

Laut des Beitrags erwarten die meisten Kreise und kreisfreien Städte in NRW eine Zunahme von Extremwetterereignissen bis 2050, darunter Hitze, Dürre, Wassermangel, Starkregen oder Hochwasser. Fast die Hälfte von ihnen verfüge bereits über ein fertiges Klimaanpassungskonzept. Gleichzeitig seien 80 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte in NRW bereits zu konkreten Maßnahmen übergegangen, um Extremwetterereignisse abzumildern. Zum Hitzeschutz werde etwa vermehrt auf dürreresistente Pflanzen sowie auf die Begrünung von Fassaden und Dächern gesetzt.

Gegen die Folgen von Starkregen befolge man vielerorts das sogenannte Schwammstadt-Prinzip. „Darunter fallen zum Beispiel Projekte wie Aufforstung, Flächenentsiegelung und eine naturnähere Gestaltung von Gewässern“, erläutert die Redaktion. Am höchsten sei das Starkregenrisiko in NRW in Wuppertal, Hagen und Aachen. Gleichzeitig erweise sich Münster als Spitzenreiter in der Prävention: Die Stadt wende nach eigenen Angaben 19 Maßnahmen gegen Klimafolgen an. Doch auch Mönchengladbach, Borken und Hamm liegen laut WDR im oberen Bereich – mit jeweils 14 Maßnahmen.

In drei Viertel der Landkreise und kreisfreien Städte in NRW werde befürchtet, dass sich die Kosten für die Folgen des Klimawandels bis 2050 signifikant erhöhen werden. Laut der Autor:innen erwarten 65 Prozent der Kommunen hohe Kosten durch Dürre-Schäden, gut die Hälfte rechne mit hohen Kosten durch Hochwasser oder Überschwemmungen. Die Daten des Beitrags gehen auf eine bundesweite Umfrage unter 400 Kreisen und kreisfreien Städten zurück, die von WDR Quarks, BR Data, NDR Data und CORRECTIV durchgeführt wurde.

Anmerkungen der Redaktion

Rainer Striewski berichtet für den WDR über die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen. Er hat Literaturwissenschaft und Politik studiert und später für das Fernsehen gearbeitet. Hier kam er 2001 auch zum WDR, für den er seither tätig ist. Neben der Landespolitik berichtet Striewski auch über die Pflege und Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen.

Elena Riedlinger ist Datenjournalistin und Redakteurin für digitale Produktentwicklung beim WDR. Sie hat Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien Stuttgart und Journalismus an der Universität Leipzig studiert. Vor ihrer Zeit beim WDR arbeitete Riedlinger unter anderem für den SCHWARZWÄLDER BOTEN und den Stuttgarter Fernsehsender STUGGI.TV. Beim WDR begann sie zunächst als Volontärin.

Nándor Hulverscheidt ist Redakteur beim WDR. Dort arbeitet er vorrangig an digitalen Projekten: etwa an der Pilotstaffel „Heimwehpixel“, die mithilfe des Computerspiels Minecraft Heimwehorte zum Leben erwecken soll. Zudem setzte Hulverscheidt die Kandidat:innen-Checks zur Bundestagswahl und zur NRW-Landtagswahl um.

Der WESTDEUTSCHE RUNDFUNK (WDR) ist die größte der neun Landesrundfunkanstalten der ARD. Er entstand 1956, als sich der NWDR in den NDR und den WDR aufteilte. Die Sendeanstalt hat sechs Radioprogramme und einen Fernsehsender, zu dessen bekanntesten Programmen unter anderem das Politmagazin „Monitor“, die „Sportschau“ oder das Kinderangebot „Die Sendung mit der Maus“ gehören. Laut eigenen Angaben ist der Sender nach Anzahl der Beschäftigten das zweitgrößte Medienunternehmen Europas hinter der BBC. Laut der „Media-Analyse 2021“ erreicht der Fernsehsender des WDR in Deutschland täglich rund 8 Millionen Zuschauer:innen, der Radiosender rund 11 Millionen Zuhörer:innen. Der Webauftritt des WDR hatte im Januar 2023 laut Similarweb rund 14,3 Millionen Besuche zu verzeichnen.